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Willkommen im Hades

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Aktuell (Mitte Oktober 2017) befinden sich Jupiter, Mond und Merkur im Zeichen Skorpion. In wenigen Tagen stösst noch die Sonne dazu. Grund genug, mich der skorpionischen Symbolik genauer zuzuwenden.

In der Hausreihenfolge des Horoskops besetzt das Skorpionzeichen das 8. Haus. Dieses Haus bildet ganz zentrale Lebensfelder ab mit der Überthematik Fremdwert. Welchen Wert habe ich für andere? Diese Thematik kann über meine Sippe, also die Generationen in meiner Familie vor mir, in mein Leben treten. Oder sie kommt über bindende Verpflichtungen wie Verträge, Ehe, Kredite – wie würdig erweise ich mich in diesen Partnerschaften? Im 8. Haus geraten wir an eine Schwelle. Bindungen werden neu geschlossen, wie zum Beispiel die Geburt eines Kindes. Oder sie werden gelöst. Unter anderem auch in finalster Weise, nämlich mit dem Tod. Diese Hausthemen haben also wahrhaft intensiven Charakter und führen Menschen oft in Krisensituationen. Entscheidungen stehen an, Transformationen, Schwellenübergänge, es gibt eine Verwandlung.

Das Skorpionzeichen bringt die „Färbung“ in dieses Haus. Schauen wir zum Fenster hinaus, sehen wir als Symbolik die Natur im Wandel. Alles verfärbt sich und fällt sterbend zu Boden. Die Triebenergie zieht sich immer weiter in den Kern der Bäume und Pflanzen zurück, um ungesehen von aussen im innersten eine Transformation zu durchleben. Nächsten Frühling sehen wir diese Energie wieder. Skorpion ist das fixe Wasserzeichen und bringt genau diese Intensität als Qualität. Ganz oder gar nicht. Emotional und dramatisch. Verschmelzend und symbiotisch. Und eben – alles auf höchster Stufe – ungeheuer intensiv und zeitweise auch auf kritisches Misstrauen getunt. Nun haben sie Geburtstag, die Skorpion Geborenen und inszenieren wie jedes Jahr diese Energie. Bist Du ein echter Freund, kennst Du ihr instinkthaftes Gespür und vermeidest Dramen zwischen Euch, auch wenn das nicht immer so einfach ist. Echtheit und Authentizität ist ein Kernthema im Skorpion – alles will voll und ganz gespürt werden, halbe Sachen können gar nicht für gut befunden werden. So einen Menschen sieht man nicht nur, den spürt man vor allem.

Und schliesslich noch das Portrait des Herrschers von Skorpion: Pluto. Mythologisch der Herrscher des Hades – der Unterwelt. Was findet sich dort? Unermessliche Reichtümer der Toten. Sprich psychologisch gedeutet die verdrängten Anteile unseres Selbsts. Schattenthemen. Alles was wir „bisher“ nicht zugelassen haben. Tauchen wir in diese Welt ein, spüren wir in unser Unbewusstes hinein. Die Ausschau hier unten lohnt sich, doch es gilt, Arbeit zu leisten. Entbehrungen und Krisenarbeit sind vorprogrammiert, Pluto und der Skorpion stehen für Zähheit. Durchhalten und Regenerieren – immer wieder neu. Ein echtes Steh-auf-Männchen. Es gibt Menschen, die halten sich nur da unten auf. Echte Nachtschattengewächse mit Tarnkappen. Verborgen „hadern“ sie mit ihrem Schicksal. Ihr Selbstbild ist das Nicht-Kleinkriegen-Lassen. Aber das ist gar nicht der Sinn. Nach dem Skorpion geht der Tierkreis weiter. Es gilt sich den plutonischen Wandlungsprozessen zu stellen, danach wieder aus dem Hades aufzusteigen und neue Sinnfragen zu stellen. Nach vorne schauen und akzeptieren, dass etwas losgelassen werden muss, damit etwas Neues kommen kann.

Hadern, aber auch loslassen ist damit ein aktuelles Zeitthema. Auch Jupiter liebt in diesem Zeichen das Hadern, also den Zweifel. Genauso aber liebt er es, zu expandieren. Das macht er, indem er die Intensität ein paar Dezibel raufschraubt. Gefühlsmässig geht’s demnach aktuell hoch zu und her. Zufall, dass ich in der Zeitung ganze drei Neuveröffentlichungen von Autoren über ihre Kindheitserfahrungen finde? Jupiter symbolisiert Wachstum, Mond die Kindheit – wenn die zwei den Hades betreten, finden sie auch verdrängte Prägungsthemen aus der Kindheit, die es zu analysieren gilt. Und Merkur hat den Bleistift schon gespitzt, um darüber authentisch und emotional zu berichten.

Ich wünsche Euch allen, eine spannende Tauchfahrt während den kommenden Wochen in Euer Inneres und das folgende Zitat aus einer Novelle von Friedrich Seibold soll Euch Hoffnung geben, dass es sich auch bei schwierigen Themen immer noch um Euren grossen Plan dreht. Das wussten einige schon 1833:

Doch wenn die Krisis eingetroffen ist, zieht sich der Arzt zurück und überlässt den Erfolg den Wirkungen der Natur.  Drum hadere nicht mit mir, noch mit deinem Schicksal, wir haben beide die Bestimmung erfüllt, die uns der Himmel angewiesen.  Friedrich Seibold, Aarau 1833  

 

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