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Weih-nachts-zeit

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Mein Weihnachtsgefühl ist aus Licht gemacht. Aus warmem, leicht flackernden Kerzenlicht. Nicht zu vergleichen mit elektrischen Fassaden- und Baumbeleuchtungen. Echtes Kerzenlicht – das ist die Farbe von Weihnachten.

In einer Kerzenflamme befindet sich eine ganze Welt. In ihrem Schein kann ich in mich eintauchen, zur Ruhe kommen. Es sind die be-sinnlichen Momente, die Weihnachten hervorlocken. Es ist die Stille. Die Ruhe frühmorgens wenn es noch dunkel ist. Sich besinnen, nachsinnen, hineinspüren mit allen Sinnen ist Venus-Energie. Diese Energie bringt uns auch in Verbindung mit etwas ausserhalb von uns, zum Beispiel mit anderen Menschen. Ebenfalls eine Weihnachtsqualität. Die Liebe, Frieden, Harmonie – all das, was wir mit dieser magischen Zeit verbinden und idealisieren – holt uns jedes Jahr ein.

Ruhe gibt’s heute nicht mehr umsonst. Da muss man kreativ werden. Kirchen bieten dieses Angebot. Aber genauso gibt es noch die Stunden, in denen alle schlafen. Dann wartet für den Suchenden diese Magie ganz alleine bei Kerzenlicht. In der wohlig warmen Stube. Alle Sinne angeregt vom Geruch von heissem Tee und Mandarinli. Und wenn es dann draussen auch noch leise schneit…

Auch Rorate Gottesdienste in aller Herrgottsfrühe haben diese Qualität. Diese dunkle erste halbe Stunde, wenn alle Besucher noch im Halbschlaf der Musik und den Worten lauschen. Eingepackt in dicke Winterjacken, weil die Kirche nur schwach geheizt ist. Eiskalte Nasen, die sich in dicken Schals verstecken. Warme, flackernde Teelichter im Dunkel, die diese einzigartige Stimmung verbreiten. Glasige Augen, die erst schlaftrunken und dann immer beseelter Anteil nehmen. Singen. Beten.

Der Zmorge danach? Muss nicht sein. Lieber halte ich an diesem Gefühl fest, versuche diese innere Stille in meinen Tag zu nehmen. Weihnachten ist Ruhe, Weihnachten ist Licht.

Die geweihte Nacht ist eine heilige Nacht. Und sie zeigt uns jedes Jahr, dass wir Menschen unsere Verbindung zum „Heiligen“ pflegen und schützen müssen. Manch einer ist weihnachtsmüde, vermag diese Ideale nicht mehr zu sehen und auch nicht zu spüren. Viele konzentrieren sich auf die jährlich wechselnden Dekorationen – Venus repräsentiert auch den Stil, die Mode. Doch darin alleine findet sich noch keine Beseeltheit, Weihnachten entsteht erst durch die Verbindung zu …was?

Wie immer gibt uns die Zeit Auskunft. Die Sonne steht aktuell im Schützezeichen. Herrscher ist Jupiter. Bis zu der Entdeckung der Planeten nach Saturn herrschte er über ein weiteres Zeichen: die Fische. Diesen Bereich symbolisiert heute Neptun: die Spiritualität, die losgelöste Ebene von unserem Verständnis von Alltag. Jupiter ist damit quasi unser Brückenbauer zur Spiritualität. Ihm werden als Entsprechung denn auch Religion, Philosophie oder die Suche allgemein zugeordnet. „Höhere“ Disziplinen, mit denen der Mensch eine Anbindung an den Sinn des Lebens sucht. Die Weihnachtszeit stellt einen dieser Torbögen dar, durch die der Mensch schreiten kann, um sich seinen tiefsten Glaubensfragen zu stellen.

Zum Glück gibt es sie, diese spirituellen Tore in unserem Leben. Bei manch einem scheinen sie fest zugemauert, bei Kindern hängt oftmals nicht einmal ein Vorhang davor. Auch deshalb ist Weihnachten ihr Fest. In ihrem Staunen finden wir diese unverdorbene Qualität, in ihrer Seeligkeit kommen wir zur Ruhe. Wenn man Kindern heute vorwirft, dass sie dies auch schon verloren haben, nehmen wir uns besser selbst an der Nase und helfen auch ihnen dabei, zur Ruhe zu kommen.

Jetzt ist die Zeit zu vertrauen. Auf ein Gehaltenwerden. Nicht nur durch unsere Lieben, sondern auch von jener Macht, die uns erschaffen hat.  Es braucht nicht viel, sondern ganz wenig, um in Weihnachts-stimmung zu kommen. Es braucht nur eine Kerze und etwas Ruhe. Ein schöne Adventszeit Euch allen.

 

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