Schmutzige Fenster

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Staub, Fingerabdrücke, Fliegendreck, Regenspuren – es wäre wohl an der Zeit, die Fensterscheiben zu putzen. Schliesslich ist Schmutz ein Zeichen von Vernachlässigung. Die Dinge brauchen Pflege, oftmals sind diese Vorgänge aber sinnentleert und dienen hauptsächlich der Repräsentation oder dem Leistungsnachweis. Was denkt sich denn der Partner oder die Partnerin, die Nachbarn oder der Besuch wenn sie auf solche Fenster stossen. Wer sich solche Gedanken nie gemacht hat, engagierte entweder gleich jemand anderen für die Reinigung oder verwehrt sich dem kollektiven Wertesystem generell.

Aus welcher Motivation könnte man Fenster putzen?

Der Automatismus in derartigen Routinearbeiten ist linear und führt vom Impuls idealerweise direkt zum Resultat. Wenn wir uns gegen den Impuls wehren und uns damit gleichzeitig gegen einen inneren Glaubenssatz wenden, dann übernimmt das schlechte Gewissen und schimpft mit dem inneren Schweinehund. Es gibt aber eine dritte Variante – das Innehalten. Je länger ich das Fenster mit seinen vielen Spuren betrachte, desto klarer wird mir seine vielschichtige Bedeutung im Kontext des neuen Zeitgeistes. Denn eigentlich stellt jedes Fenster auch eine Grenze zu der Welt dahinter dar. Durch ein Fenster kann ich raus und andere rein sehen. Es ist das Guckloch in der Verbindung zwischen meiner Welt und jener der anderen.

Repräsentieren schmutzige Fenster in Zeiten wie diesen auch den Rückzug aus der physischen Welt? Nicht wenige Menschen wollen gar nicht mehr sehen, was da draussen abgeht und ziehen sich immer mehr in ihre eigenen vier Wände zurück. Die andere Welt ist auch viel bequemer zu erreichen; Internet, Netflix, Gamen, Virtual Reality… Wen kümmern dabei noch saubere Fensterscheiben!

Die Werte und Ziele der vergangenheit

In der vergangenen Erdepoche hatte das Funktionieren höchste Priorität. Den Ausstieg aus diesem System hätten wir kaum aus eigener Kraft versucht und wahrscheinlich auch nicht geschafft. Schliesslich haben auch viele profitiert, dazu zähle ich mich selber. Das Wohlstands-Prinzip „wer leistet, der erhält“ ist simpel und krankt trotzdem an allen Ecken und Enden. Corona legte den Finger direkt in die Wunde und provoziert seither die Systemplayer aufs Äusserste. Die Abwehrmassnahmen gegen das Virus verlangsamen, unterbrechen und verunmöglichen die Weiterführung des Lebens in seinem gewohnten Gang. Noch vielfach unbemerkt entstehen dabei neue Zugänge zu der zyklischen Lebensführung der Luftepoche. Und die hat mit dem linearen Modell der Vergangenheit nichts mehr am Hut. Ein Zyklus besteht aus ganz unterschiedlichen Phasen und ist in der Natur millionenfach zu beobachten. Der verborgene Saatmoment, die Kraft des sichtbaren Anfangs, die erste Durchbruchsphase, die das Alte in Frage stellt, die grösste Wachstumsphase, der Höhepunkt, die Verteilung, die Ernte, der Rückzug und das Loslassen und zum Schluss die Reinigung, bevor alles wieder von vorne losgeht.

DER KÖRPER ALS VERBÜNDETER

Ein Leben aus dem bisherigen Start-Ziel Denken in dieses Phasenmodell zu überführen, tönt wie eine Herkulesaufgabe für jeden Einzelnen. Dabei haben wir den grössten Helfer immer mit dabei! Es ist unser Körper, jenes zyklisches Wesen, das alle diese Phasen immer wieder durchlebt und deshalb unser zentraler Wegweiser in die Zukunft ist. Denn wie viel Wertschätzung haben diese Körperfunktionen noch erhalten? Auch sie wurden optimiert und dem Leistungsdenken unterjocht. Die Einen füllen diese zentralste Beziehung von allen nun mit neuen Werten und Respekt, während sich die Anderen noch immer an eine distanzierte und lineare Vorstellung ihrer Leistungsfähigkeit klammern. Dieses Phänomen besitzt auch schon einen eigenen Namen und wird als neuartige Erkrankung geratet: Long Covid. Dabei möchte ich die Symptome der Betroffenen gar nicht weg reden, es geht darum aufzuzeigen, wie immer noch versucht wird, alles Neue automatisch in die Struktur einzubauen, es mit Label und Bewertung zu versehen und daraus folgend die Bestimmung der Verantwortlichkeit und der Zahlinstanz festzulegen. Genau das sind die Mechanismen der vergangenen Epoche, die längerfristig aber nicht mehr funktionieren werden.

unsere Substanz wird durchgepflügt

Wie haben wir bisher erfasst, dass das Alte zu Ende ist? Wenn das Neue funktionierte. Wann liess man endgültig los? Wenn wir das Neue schon besassen. Genau hier liegt die grösste Krux auf unserem Weg in die Zukunft. Der Hoheitsbereich der Erde hat abgedankt. Das ist deshalb noch surreal, weil wir noch überall die alten Machthaber wahrnehmen, die uns ihre Stärke im Kampf gegen die Veränderungen demonstrieren. Trotzdem verliert aber das rein materielle Denken an Kraft und wer sein Sicherheitsbedürfnis über Dinge, Geld oder auch über Status und Leistung zu stabilisieren versucht, wird von allen Seiten torpediert. Alleine die Idee, Dinge oder Wissen zu besitzen und sich damit vom Kollektiv abzugrenzen, wird immer abstruser. Unsere bisherige Substanz wird gerade so richtig durchgepflügt. Dafür steht symbolisch der Uranus auf seinem Durchlauf durch das Tierkreiszeichen Stier. Es reift zunehmend die Erkenntnis, dass Sammeln nur dann im Leben dient, wenn wir das Gesammelte auch teilen und weitergeben. Sammeln von jeglicher Substanz ist nicht das Ziel, sondern steht vielmehr am Anfang und als Fundament eines schöpferischen Lebens.

Ich höre kollektive Einwände, dass dies auch die Grundlage für unsere bisherige Lebensgestaltung war. Dank Besitz und Wohlstand konnte man ein selbstbestimmteres Leben führen. Doch die Reflektion darüber offenbart, dass sich diese Selbstbestimmung hauptsächlich im Mass an „Freizeit“ geäussert hat, also in Hobbys und Ferien. Nicht mal mehr Reisen besass den Wert früherer Epochen, nämlich die Horizonterweiterung und die unmittelbare Konfrontation mit anderen Kulturen. Diese Entwertung und Sinnentleerung im kollektiven Besitzstreben machte denn auch immer mehr Menschen zu schaffen. Damit will ich nicht sagen, dass wir nicht auch altruistische Menschen erleben, die die Früchte ihrer Arbeit in das Helfen investieren. Doch die existentiell bedrohte Lage von so vielen Menschen auf dieser Erde macht auch deutlich, wie sehr dieses Streben jenem von Sisyphos ähnelte, in einer Umgebung, die danach trachtet, für ihre Investitionen auch zu ernten.

Vertrauen in das leben

Es gilt für jeden Einzelnen einen tiefen Wertegraben zu überschreiten, ohne das andere Ufer schon zu kennen. Das schafft man meiner Meinung nach nur mit Vertrauen. Vertrauen in seine eigene Stärke und das Vertrauen in den Zyklus des Lebens. Die Astrologie zeigt unmittelbar, wo wir Denkfehler machen und das grössere Ganze aus den Augen verloren haben. Letzthin habe ich im Planetarium Kreuzlingen den Film „Zeitreise“ über die Entstehung der Erde gesehen, der die ganzen Entwicklungen auf einen Zeitraum von einem Tag legt. Erst in den letzten 8 Minuten erscheint dabei der Mensch – eine sehr ähnliche Erkenntnis stellt sich in der astrologischen Betrachtung des Zeitgeschehens dar. Auch hier stehen wir immer noch am Anfang unserer Möglichkeiten.

Der Denkanstoss für den nächsten Schritt ist die Öffnung, die Neugier, die Begegnung und die Bewegung. Dazu braucht es Vertrauen in Gleichgesinnte, denn das Kollektiv kann uns dort stärken, wo der Besitz an Stellenwert verliert. Das ist nicht frei von Gefahren und Risiken. Es gilt vorsichtig zu sein im Bereich der Ideologien und sich gründlich damit auseinanderzusetzen. Die Zukunft gehört den Ideen und hier findet sich dasselbe Spektrum an Kreaturen wie einstmals in der materiellen Welt. Eigenverantwortung bedeutet daher sich kundig zu machen, Wissen und Fakten zu überprüfen und nicht blind hinterher zu stolpern.

Es lohnt sich daher auch weiterhin, schmutzige Fenster zu putzen, aber vielleicht aus neuen Motiven. Nicht wegen der Nachbarn sondern damit man selber klarer sieht. Wo Dein Weg in die neue Zukunft beginnt und deine grössten Herausforderungen warten, kann eine Horoskopanalyse aufzeigen. Hier findest Du mich.

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