Der Verrat aus astrologischer Sicht

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Das aktuelle Zeitthema mit der starken Skorpionfärbung möchte ich noch von einer anderen Seite aufnehmen. Als negative Begleiterscheinung können derzeit starke Verratserfahrungen auftreten, die ebenfalls in dieses Thema fliessen.  Das Thema der Verschmelzung und der Symbiose gehört in die Symbolik rund um Pluto (Herrscher des Skorpions). Eine Verratserfahrung ist für den Betroffenen ein Ausgestossen-Werden aus solch einer Symbiose. Die Bereichsfelder sind dabei alle Formen von Verbindungen mit einem gemeinsamen Ziel: z.B. Ehe, berufliche Partnerschaften, Investitionen oder Kredite für gemeinsame Projekte, innige Freundschaften, Mutter-Kind Beziehungen, Sippenverbände. Dabei geht es nebst den Realitäten und Finanzen immer auch um menschliche Gefühle, denn mit Skorpion befinden wir uns in der höchsten Intensitätsstufe  des emotionalen Elements Wasser.

Die Betrachtung der Verratserfahrung möchte ich heute in diesem Gefühlsbereich ansiedeln. Was passiert? Eine gemeinsame Sache wird ohne Vorwarnung verlassen und damit verraten. Dies kann – je nach Verhalten des Aussteigers – bisweilen sehr grausame Formen annehmen. Als negativstes Erleben steht das berühmte Messer im Rücken symbolisch für jenen verräterischen Meuchelmord, die Rücksichtslosigkeit, die ausschliessliche Fokussierung von Eigeninteressen bis hin zu Kriegserklärungen. Emotional bedeutet das: Was sich einst so stimmig für vermeintlich beide Seiten anfühlte, verliert ganz plötzlich seinen Wert. Verlieren wir Werte im Leben, verlieren wir immer auch ein Stück Boden unter den Füssen.

Der Zeitfaktor in diesem Erleben ist ein wesentlicher – ein Verrat kommt nämlich plötzlich und überraschend und oftmals trifft es einen Ahnungslosen. Das Bild des Bodens, der sich öffnet, ist ein starkes Symbol. Das Thema der Übergriffigkeit ist damit überall in einem Verrat präsent. Oftmals wird aber vergessen, dass eine Symbiose an sich schon ein Übergriff ist, die Grenzen des Individuums werden zu Gunsten des „Eins-sein“ massiv gelockert, wenn nicht sogar aufgehoben. Und das alles freiwillig.

Ein plötzlicher Blitz trifft das Bewusstsein, und damit genau das verratene Löwen-Herz: Das ICH fragt sich, wieso habe ich das nicht kommen sehen? Was ist mit meinem Bewusstsein los? Wieso bin ich nicht mehr wertvoll für den anderen?  Dies ist umso schwieriger, weil ein Angriff von hinten (wir erinnern uns ans Messer im Rücken) überraschend kommt und die eigene Abwehr schlicht überrannt wird. Das interpretiert der verratene Mensch als Schwäche, Unvorsichtigkeit, Dummheit, Naivität und daran hat er zu beissen.

Aber plötzlich wird auch offensichtlich, ob in diesem Herzen genug Mut ist, um für das eigene ICH zu kämpfen. Ein Blick in die Tierwelt: Verletzte Tiere haben Angst, aber sie sind für den Angreifer auch nicht mehr zu kalkulieren, weil sie nichts mehr zu verlieren haben und Schmerz auch ungeahnte Kräfte erteilt. Wenn es dem Betroffenen gelingt, in den Kampfmodus für seine Anliegen und seine Rechte zu gelangen, kann damit auch Heilung in seinem verletzten Herz passieren.

Nicht jeder schafft das, die einen bleiben verwundet im Hades (Willkommen im Hades) und hadern mit den enttäuschten Gefühlen. Das Fazit eines jeden Verrats sind schmerzliche Lernerfahrungen und können eine massiv grössere Vorsicht vor neuen Symbiosen erzeugen. Machen wir uns bewusst, dass wir mit jeder Herzensangelegenheit unser Herz ein Stück weit ausliefern. Und leisten wir Vorsorge, dass es nicht hinterrücks zerstört werden kann. Wenn der Partner unserer Wahl aus unserer Symbiose ausbrechen will, sind die existentiellen Geschichten besser schon geklärt. Wir haben mit dem emotionalen Teil noch genug zu tun.

Der Verräter aber erhält durch den Verrat ein neues Gesicht. Nämlich sein echtes Gesicht, das bis dahin dem Verratenen verborgen war. Er zwingt mit seinem Entscheid, aus der Symbiose auszusteigen, auch ein ganzes Umfeld zur Stellungnahme, sprich zur Wertung. Dabei zeigt sich sein ungeschminkter Charakter, was durchaus erschreckend sein kann. Und wieder stellt sich – diesmal ein grösseres Kollektiv – die gleiche Frage: haben wir diese Person derart falsch eingeschätzt? Wahrscheinlich ja, es gibt eben verborgene Antriebe, die kaschiert werden.

Je bewusster wir uns unseren eigenen verborgenen Anteilen zuwenden, desto kleiner ist die Gefahr, davon hinterrücks verraten und angegriffen zu werden. Opferhaltungen helfen hier nicht weiter, es gilt herauszufinden, wie wir uns besser schützen können. Enttäuschte Gefühle haben eine sehr lähmende Kraft, es ist der Sog nach unten in den Hades.

Werde Dir bewusst und ROOOAAARRRR… schreit der Löwe und schlägt mit der Pranke zurück!

 

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