Beef-Buddies

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Letzthin war ich wieder mal im Brockenhaus. In der Bücherabteilung ist mir ein dünnes Bändlein mit dem Titel „Philosophie und Sex“ in die Hände gefallen. Darin werden die philosophischen Aspekte der Sexualität analysiert. Der Fokus liegt auf der Entwicklung seit den 68ern, als Beginn einer ernsthaften Auseinandersetzung mit diesem Thema. Im Klappentext heisst es denn auch: „Über Sex zu sprechen unterliegt heute keinem Tabu mehr. Nicht zuletzt im Gefolge der 68-er Bewegung hat die Sexualität die rein private Sphäre verlassen, ist in der Öffentlichkeit allgegenwärtig und Gegenstand einer breit gestreuten Lebensberatungsbranche.“

In welcher Form passen Philosophie (hochgeistige Gedankengebäude) und Sex (menschliche Triebnatur) zusammen?

Unsere instinktive Triebnatur und damit auch die Sexualität ist in der Symbolik dem Widder mit seinem Herrscher Mars zugeordnet. Dieses Zeichen ist bekannt für seine Antriebskraft (ohne vorher zu planen), für seine Instinkte (Jagd) und für seinen Mut (Kampf). Ebenso bekannt sind die Probleme dieses Zeichens mit einer Gesellschaft, die für diese rohe, ungehobelte Energie kaum mehr Ausdrucksfelder bereithält. Das Niederdrücken dieser Energien beginnt daher oft schon im Kindesalter, wo diese Triebe manche Erwartungen von Eltern torpedieren. Wie geht man mit einem Kind um, dass wild, laut, eigensinnig, herausfordernd und kampfbereit ist? Wo sind sie denn die Tummelplätze für die wilden Jungs und Mädchen, wo dürfen sie sich noch raufen und kämpfen, ohne dass gleich ein Konfliktberater eingreift? Wo können sie noch Mut beweisen in einer natürlichen Umgebung, die noch nicht pädagogisch wertvoll verbaut ist?

Bei den Erwachsenen wächst die Bandbreite an Möglichkeiten, um diese Triebenergien konstruktiv auszuleben. Doch in einem unbewussten Stadium findet oftmals keine  Auseinandersetzung damit statt und die sichtbaren Kanäle dieser unterdrückten Energie nehmen Dimensionen an, die die einen abstossen, aber manche auch anziehen: Blutrünstige Filme, Perversion und Brutalität und Krieg in zahlreichen Manifestationen. Die Triebe habens also schwer in unserer Zeit und beweisen uns in ihren Erscheinungsformen, dass sie sich trotzdem nicht verdrängen lassen. Eine Auseinandersetzung damit sollte also in irgendeiner Form stattfinden. Hier soll der Ansatz der psychologischen Astrologie verdeutlicht werden.

Die Gegenqualität vom Widder liegt im Zeichen Waage mit ihrer Herrscherin Venus. In der Mythologie zeigt Aphrodite (Venus) zwei Gesichter. Eines liegt im Element Luft und symbolisiert die Hinwendung zu geistigen und ideellen Verbindungen wie Schönheit, Harmonie, Stil und Kultur und natürlich die ideelle Liebe. Diese Venus symbolisiert unsere Gedankenkraft, die Verbindungen jeglicher Art erwägt und abwägt. Also zu Menschen, Tieren oder Gegenständen und Ideen. Das andere Gesicht ist ein irdisches, pandemisches – es repräsentiert die Verbindungen mit der Materie wie Besitz, Genuss, Sicherheit und real gelebte Beziehungen. Hier liegen die sichtbaren Verbindungen.

Die Schöpfung strebt stets nach einem Gleichgewicht der Kräfte; ein Miteinander der Gegensätze, das wiederum selbst zu schöpferischen Taten und Momenten führen kann. In Widder und Waage begegnen sich zum Beispiel Wildheit und Kultur, Harmoniestreben und Kampfbereitschaft, Stil und Ursprünglichkeit, Schönheit und Natürlichkeit. Welche Attribute stellen wir persönlich eher ins Zentrum? Wenn Menschen sich über die Sexualität in ihren Beziehungen beklagen, könnte das auch damit zu tun haben, dass eben dieses Gleichgewicht fehlt.

Ich meine aber, es gibt noch eine andere Thematik die da mitspielt. Nämlich jene der Ideale, die seit den 68’ern und ihrer „Freien-Liebe (Sexualität)-Bewegung“ eben auch in unseren Köpfen mitmischt. Astrologisch prägte übrigens eine Uranus/Pluto Konjunktion im Zeichen Jungfrau diese Aufbruchphase schon 1965. Doch um zurückzukommen auf das eingangs erwähnte Buch: „Sexuelle Phantasien können unser Leben in weit höherem Masse bereichern als sexuelle Realitäten.“

Unsere Vorstellungskraft wird allerorts angeheizt, in jedem Kinofilm wird angedeutet, das man sich mit Sexualität in ungeahnte Höhen treiben kann. Die Film- und Marketingbranche verstehen es blendend, uns Lust auf „was-auch-immer“ zu vermitteln. Damit schafft sie uns immer neue Verpackungen, die den Inhalt weit verlockender darstellen, als er tatsächlich zu leisten vermag. Das gilt auch in der Sexualität. Wenn wir dieses „Produkt“ genauer analysieren, ist Lust die Verpackung, der Akt ist der Inhalt und das Resultat ist eine körperliche und seelische Befriedigung. Uns wird fatalerweise signalisiert (und nicht gezeigt), dass wir automatisch immer das ganze Paket an Leistungen erhalten werden. Hier liegt die Täuschung – Verpackung, Inhalt und Resultat sind nicht untrennbar verbunden, sondern können im Gegenteil auch alle separat ausgelebt werden. Die Frustration ist entsprechend – die Botschaft aber ist: Umdenken!

Übrigens: Eine Gegenrevolution der Widderenergie ist derzeit im Ernährungsbereich zu beobachten. Die neuen Köche sind jung, wild und sehr ursprünglich in ihren Zubereitungsmethoden. Kennt ihr die Sendung „Beef-Buddies“? Hier kochen wilde Kerle draussen über dem Feuer, jagen oder zerlegen das Fleisch mit riesigen Messern und hängen ihre Männlichkeit raus.  In Kombination mit ihrer weiblichen, geniesserischen Seite ein durchaus gelungenes Gleichgewicht. Ein herrliches Zuschauen, denn die vereinen Lust und Genuss mit Ursprünglichkeit und Notwendigkeit und liefern damit den Beweis, dass beides gleichberechtigt co-existieren kann.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine kreative Auseinandersetzung mit dem Thema – Astro la Vista!