Unlängst hat die Welt den Weltfrauentag zelebriert. Meine Auseinandersetzung damit wurde mit einigen direkten Fragen von der lokalen Presse stimuliert. Meine Wahrnehmung lautete: Frauen müssen sich noch mehr zutrauen, bereits vorhandene Möglichkeiten ausschöpfen und weiter ausdehnen. Aus meinen Beratungen und aus meiner eigenen Biographie weiss ich aber, gerade im Zutrauen brauchen Frauen Unterstützung. „Trau Dich!“ appelliert an unseren Mars, an unsere Durchsetzungskraft, eine „männliche“ Energie, oder neutraler formuliert: Yang-Energie. Also müssen wir uns fragen, wie steht es denn mit den gesellschaftlichen Vorstellungen von Frau und Mann? Die Gesellschaft definiert letztlich die Erziehungswerte für jede Generation. Und jede Erziehung legt den Grundstein für das eigene Zutrauen.

Als Erwachsene sind wir danach mit dem Resultat konfrontiert. Fazit ist: für viele Frauen ist Durchsetzungsfähigkeit etwas, das sie im Nachhinein bewusst erlernen müssen. Das Ausbrechen aus konditionierten Rollenbildern (z.B. von unseren eigenen Müttern oder unseren Partnern) ist die Herkulesaufgabe auf dem Weg zur Selbstbestimmung. Zwischen „Kann ich das?“ und „Ich kann das“ führt der Weg durch den persönlichen Hades.

Frauenfreundschaften sind, wie jede Beziehung zu einem anderen Menschen, ein wertvoller Spiegel für viele Facetten der eigenen Persönlichkeit. Frauen sprechen vom Gleichen, können sich gegenseitig einfühlen in die Situation der Freundin. Aber…

Kann ich das, was mir zurück gespiegelt wird, überhaupt einordnen? Wie gehe ich damit um, dass mir unbewusste Teile von mir entgegen springen, mit denen ich mich vielleicht noch gar nicht identifizieren kann? Hält mein Selbstwert das aus, dass meine Freundin mir den unbequemen Spiegel vorhält? Oder anders gefragt, ist eine gute Freundin nur eine, die vor allem mit mir fühlt und mir Recht gibt, mich unbesehen bestätigt?

Meine Freundin ist definitiv von der reflektierenden Gattung und für mich wie ein goldiger, wertvoller Schatz. Wenn ich mein Zutrauen verliere, steht sie wie ein Mahnmal vor mir und sagt, was machst Du da? Du läufst in die falsche Richtung! Diese Qualität von Freundschaft wächst an keinem Baum. Sie gedeiht aus der ehrlichen Bereitschaft, einander vorbehaltlos zu vertrauen und zu unterstützen. So lassen sich auch unbequeme Wahrheiten aus der Nachtseite unserer Seele integrieren. Denn das ist doch der wahre Kampf, dem es sich zu stellen gilt. Den Mutigen erschliesst sich die eigene Welt!

Das Schöne am Älterwerden ist, dass auch unsere Freundschaften mitreifen. Zoff im Paradies? Inzwischen sind uns doch gute und ehrliche Gespräche beim Apéro viel lieber. Weil wir längst eine Form gefunden haben, wie man an einem Abend ehrliche Reflektion und gegenseitige Bestärkung zelebrieren kann. Ja, das kann dauern, doch wir haben unsere Stammlokale. Die können damit umgehen 😉

Übrigens: Venus beschreibt unsere Frauenfreundschaften im persönlichen Horoskop. Astro la Vista spricht die Sprache Astrologie und übersetzt Dir gerne ihre Absichten.

 

Den Mutigen erschliesst sich die eigene Welt
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